Onlinehandel als alltägliche Infrastruktur
Die Reportage beginnt in Shanghai, bei zwei Studentinnen, für die Onlinebestellungen ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Essen, Getränke und Haushaltsprodukte werden spontan bestellt und kurze Zeit später geliefert. Einkaufen wird nicht geplant, sondern passiert genau dann, wenn etwas gebraucht wird.
Auffällig ist dabei nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem die Normalität. Onlinehandel ist kein besonderer Service mehr. Er funktioniert wie eine grundlegende Infrastruktur, vergleichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Strom.
Plattformen statt einzelner Läden
Ein prägendes Merkmal des chinesischen Marktes ist die zentrale Rolle der Plattformen. Restaurants, Supermärkte und kleine lokale Geschäfte sind direkt angebunden. Online und Offline werden nicht getrennt gedacht, sondern als ein zusammenhängendes System.
Logistik und Transparenz spielen dabei eine entscheidende Rolle. Kundinnen und Kunden sehen jederzeit, wo sich ihre Bestellung befindet und wann sie ankommt. Diese Verlässlichkeit schafft Vertrauen und ist einer der Gründe, warum Onlinehandel in China so intensiv genutzt wird.
Vom Suchen zum Entdecken
Ein weiterer Schwerpunkt der Reportage ist der Wandel im Kaufverhalten. In China wird immer seltener gezielt nach Produkten gesucht. Stattdessen entdecken Menschen Produkte über Videos, Livestreams und Empfehlungen.
Social Commerce ist dort kein Zusatz zum klassischen Onlinehandel, sondern ein eigenes Modell. Inhalte, Inspiration und Kauf sind eng miteinander verbunden und gehen oft nahtlos ineinander über.
TikTok und neues Kaufverhalten in Europa
In diesem Zusammenhang blickt die Reportage auch auf TikTok und die Entwicklung in Europa. Unser CEO Damian Maib macht deutlich, dass sich europäische Märkte nicht direkt mit China vergleichen lassen. Regulierung, Gewohnheiten und Erwartungen sind unterschiedlich.
Trotzdem verändert sich auch hier das Nutzerverhalten. Aufmerksamkeit verlagert sich zunehmend in Apps. Produkte werden im Feed entdeckt und nicht mehr über klassische Websites gesucht. TikTok entwickelt sich damit auch in Europa zu einem Ort, an dem Kaufimpulse direkt aus Inhalten entstehen können.
Was wir daraus lernen können
Die Reportage zeigt, dass der Erfolg des chinesischen Onlinehandels nicht allein auf Tempo oder niedrigen Preisen beruht. Entscheidend ist, wie Plattformen, Inhalte und Kaufprozesse als zusammenhängendes Erlebnis gestaltet sind. Einkaufen findet dort statt, wo Aufmerksamkeit ohnehin vorhanden ist.
Für europäische Unternehmen lassen sich daraus viele Beobachtungen ableiten. Nicht alles lässt sich übertragen, manches wird sich anders entwickeln. Umso spannender ist die Frage, welche Elemente sich auch hier durchsetzen werden und wie sich der Onlinehandel in Europa in den kommenden Jahren weiter verändert.
Hier die ganze Episode anhören: https://www.deutschlandfunkkultur.de/e-commerce-in-china-online-handel-auf-speed-100.html
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